Noch eine App.
Noch ein Update.
Noch eine Nachricht, die „dringend“ ist.
2026 ist nicht das Jahr der digitalen Euphorie.
Es ist das Jahr der digitalen Erschöpfung.
Nicht, weil Menschen technikfeindlich geworden sind.
Sondern weil zu viel Digitales zu wenig bringt.

Das Grundproblem: Alles will Aufmerksamkeit
Jede App will:
- Benachrichtigungen senden
- genutzt werden
- relevant wirken
Das Ergebnis ist ein permanenter Konkurrenzkampf um Aufmerksamkeit.
Und dieser Kampf wird auf dem Rücken der Nutzer ausgetragen.
Chats hören nicht auf.
Updates kommen ungefragt.
Apps verändern sich ständig – selten zum Besseren.
Stillstand existiert digital nicht mehr.
Multitasking war eine Lüge
Die letzten Jahre haben gezeigt:
Menschen können vieles gleichzeitig machen – aber nichts richtig.
- Arbeit + Messenger
- Freizeit + Push-Nachrichten
- Erholung + News-Feeds
Das Gehirn kommt nicht zur Ruhe.
Nicht, weil es schwach ist – sondern weil es dauerhaft unterbrochen wird.
Digitale Erschöpfung ist kein Burnout.
Sie ist subtiler.
Und genau deshalb gefährlicher.
Updates als Dauerstress
Updates sollten verbessern.
Tun sie aber oft nicht.
Was Nutzer stattdessen erleben:
- neue Menüs
- neue Icons
- neue Regeln
- neue AGBs
Man muss ständig neu lernen, ohne einen echten Mehrwert zu bekommen.
Das frustriert.
Viele Menschen lassen Apps heute absichtlich veralten,
weil sie Angst haben, dass danach alles schlechter wird.
Das ist kein Fortschritt.
Das ist Misstrauen.
Chats sind keine Gespräche mehr
Was früher Kommunikation war, ist heute:
- Erwartungsdruck
- Reaktionszwang
- Dauerverfügbarkeit
„Gesehen“ ersetzt Nachdenken.
„Online“ ersetzt Erreichbarkeit.
„Tippt…“ erzeugt Stress.
Viele Menschen sind nicht genervt vom Schreiben.
Sondern davon, immer schreiben zu müssen.
Die stille Gegenbewegung
Die Reaktion ist kein lauter Digital-Detox mit Yogamatte.
Sie ist leise – aber konsequent.
2026 sieht man immer öfter:
- Benachrichtigungen komplett aus
- Nur noch 2–3 Apps aktiv genutzt
- Rückkehr zu E-Mail statt Chat
- Bewusste Offline-Zeiten
Nicht aus Nostalgie.
Sondern aus Selbstschutz.
Produktivität leidet – nicht trotz, sondern wegen Tools
Ironisch, aber wahr:
Viele digitale Tools, die Arbeit erleichtern sollen, machen sie schwerer.
Zu viele Systeme.
Zu viele Zugänge.
Zu viele Kanäle.
Am Ende geht mehr Zeit für Koordination drauf als für echte Arbeit.
Digitale Erschöpfung ist oft kein Zeitproblem.
Sondern ein Strukturproblem.
Was Menschen 2026 wirklich wollen
Nicht weniger Technik.
Sondern bessere.
- weniger Funktionen
- klare Oberflächen
- echte Ruhephasen
- Technik, die dient – nicht fordert
Das klingt banal.
Ist es aber nicht.
Denn es widerspricht fast allem, wie digitale Produkte aktuell gebaut werden.
Die unbequeme Wahrheit
Digitale Erschöpfung ist kein individuelles Versagen.
Sie ist das Ergebnis eines Systems, das Nutzung mit Wert verwechselt.
Mehr Interaktion ≠ mehr Nutzen
Mehr Features ≠ bessere Produkte
Mehr Updates ≠ Fortschritt
Solange das ignoriert wird, werden Menschen weiter abschalten.
Nicht dramatisch.
Einfach still.
Fazit: Weniger Digitales, das mehr kann
Die Zukunft gehört nicht den lautesten Apps.
Sondern den leisesten.
Den Tools, die im Hintergrund funktionieren.
Die nichts erklären müssen.
Die nichts beweisen wollen.
Digitale Erschöpfung ist kein Trend.
Sie ist ein Warnsignal.
Und wer es ignoriert, wird nicht gehasst –
sondern gelöscht.

